Offener Brief an den Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda

 

Sehr geehrter Herr Dr. Dudda,


der Beschluss, die Wildgänse in Herne schießen zu lassen, hat massive Proteste der Herner Bürgerinnen und Bürger ausgelöst - und die Stadt hat reagiert. „Gut so!“, sollte man meinen. Aber: Eine 14-tägige Frist zu setzten, innerhalb der Bürger und Verbände mit Vorschlägen reagieren müssen? Das hat die Logik einer juristischen Drohkulisse, Bürgerbeteiligung sieht anders aus!


Wenn ein Protest-Feedback von Bürgerinnen und Bürgern zu einer Verwaltungsentscheidung kommt, hängt das mit einer fehlenden Bürgerbeteiligung schon im Vorfeld zusammen.  Wenn also ein Feedback und kein Shitstorm aus der Bürgerschaft kommt, warum setzt die Stadt nicht auf positive Effekte und zeigt sich weitergehend kooperationsbereit bei einem Thema, das offenbar viele Hernerinnen und Herner bewegt? Wäre diese Stelle nicht die Chance, bürgerschaftliches Engagement mit Interessen der Verwaltung in Einklang zu bringen?


Ich mache an dieser Stelle den ersten Vorschlag: Die Verwaltung sollte mit nachvollziehbarer Argumentation und Transparenz auftreten! Es geht nicht um invasive Arten und das Aufhalten des Artensterbens! Der asiatische Marienkäfer und der amerikanische Flusskrebs sind seit Jahren hier - nur hat sie niemand wahrgenommen. Die Gänse sind sicht- und hörbar und ja, sie hinterlassen Kot. Nur ändert sich nichts, wenn die Gänse ferngehalten oder getötet würden: Die klamme Stadtkasse würde weiterhin kein Geld für die Reinigung der Parks und Grünanlagen hergeben, Hundekot, massenhaft ins Wasser geworfene Brot und anderer Müll wird die Grünanlagen und Gewässer weiterhin verschmutzt zurücklassen.


Wenig Geld würden einfache Maßnahmen wie das Zur-Verfügung-Stellen von Sachmitteln kosten, die zur Reinigung von Wegen von Kot und dem Aufsammeln von weggeworfenen Broten nötig wären. Auch wäre eine Beschilderung, die in mehreren Sprachen aufklärt, warum Wasservögel nicht gefüttert werden sollen und das Brot auf keinen Fall ins Wasser gehört, ebenso kostengünstig wie effektiv. - In Bochum ist das möglich…


Wenn die Verwaltung den Bürgern in Fragen „Wasservögel“ auf Augenhöhe, also ohne Drohgebaren und mit Transparenz entgegentreten würde, es würden sich Menschen, bspw. im Rahmen einer Bürgerinitiative finden, die sich bürgerschaftlich für ihre Grünanlagen und die Brutkontrolle ebenso einsetzten wie nun gegen den Abschuss der Gänse! 14-Tage-Fristen sind zu kurz, solches Engagement zu organisieren 


Komplexe Probleme werden eher selten mit Ballerei gelöst, es braucht komplexe Lösungen - die können auch einfach und kostengünstig sein. Ein „für Gänse und Grünanlagen“ hilft mehr als ein „Verwaltung gegen Bürger“! Machen Sie den Anfang, verlängern Sie die Frist für Lösungsansätze, dann bekommen Sie auch welche!


Rafael Wagener, Bürgerinitiative Wasservögel